Projekttag Sterben-Tod-Trauer der aller Abschlussklassen

Schon vor vielen Jahren hat die Fachschaft Religion/Ethik diesen wichtigen Projekttag für die Abschlussklassen eingeführt. Vor etwas mehr als 10 Jahren, als Flörsheim auch ein stationäres Hospiz bekam, sollten die Schüler die für Sterbenskranke wertvolle Einrichtung kennenlernen und erfahren, dass zum Leben auch ein würdevolles Sterben gehört. Mittlerweile ist das Flörsheimer Hospiz Lebensbrücke im Bewusstsein der Flörsheimer Bevölkerung, aber noch immer wird das Thema in der Gesellschaft tabuisiert oder zumindest vermieden, über Sterben, Tod, Trauer zu sprechen. So fragen auch manche Schüler, aber auch Eltern und Außenstehende, warum wir uns als Schule an diese Thematik – ausgerechnet mit Jugendlichen – wagen!? Vielleicht gerade deshalb, weil der Tod zum Leben dazu gehört. Niemand, auch Schüler, können sich davor schützen, selbst Leid, Trauer und Schmerz zu erfahren. Wenn ein Verwandter stirbt, ein junger Mensch verunglückt oder mit einer todbringenden Diagnose konfrontiert wird, reagieren wir alle oft unsicher und wissen nicht, wie wir mit Betroffenen beziehungsweise den Angehörigen umgehen sollen. So zeigte der Film zum Einstieg in den Tag genau diese Situation. Ein junger Mann, der Sohn und großer Bruder, verunglückt tödlich, die Eltern sind zur Unglückszeit mit der 16jährigen Tochter im Kurzurlaub und werden von einem fremden Polizisten benachrichtigt. ausruhen bank baume 257360Verständlich und nachvollziehbar schildert die Schwester, wie sie die ersten Stunden, Tage und Wochen erlebt hat, wie Lehrer und Schüler reagierten und welche Reaktion sie sich gewünscht hätte. Im Anschluss an den Film trafen sich die kleinen Schülergruppen mit Lehrkräften und eingeladenen Referenten bzw. zwei Schülergruppen besuchten das Hospiz Lebensbrücke in Flörsheim sowie das hiesige Bestattungsunternehmen. So lernten Schüler Menschen kennen, die beruflich oder auch ehrenamtlich mit Schwerkranken, Sterbenden und Trauernden zu tun haben. Aus Wiesbaden waren Vertreterinnen eines ambulanten Hospizes und dem Kinderhospiz Bärenherz da, darüber hinaus gab es Gesprächsrunden mit einer Krankenhausseelsorgerin, mit Notfallseelsorgern und einem Bundespolizeipfarrer. Dass religiöse Menschen Halt und Unterstützung aus ihrem Glauben ziehen und es unterschiedlichste Bestattungs- und Trauerrituale gibt, lehrten ein jüdischer Friedhofsdirektor, eine muslimische Seelsorgerin und ein christlicher Seelsorger. in den letzten beiden Stunden kamen wieder alle Schüler in die Aula und berichteten sich gegenseitig von ihren Eindrücken und neuen Erfahrungen. Offen gebliebene Fragen und Themen, die an diesem Tag nur kurz angesprochen werden konnten, werden derzeit im Unterricht noch vertieft. Nicht auf alle Fragen findet man Antworten, aber allein der lebhafte Austausch von Kollegen über Jenseitsvorstellungen im Lehrerzimmer zeigte, dass es uns alle nachhaltig bewegt. Ein kleiner Schritt der Empathie-Schulung sei auch nicht vergessen: Mit einem kleinen finanziellen Beitrag der Schüler konnten wir an diesem Tag Spenden an das Hospiz Lebensbrücke und das Kinderhospiz übergeben.

Claudia Mohr